Südamerika – ein Jahr in Aufruhr: Von Feuer, Hunger und Tränengas

In Südamerika wird 2019 als bewegtes Jahr in Erinnerung bleiben. In Brasilien brennen die Wälder, in Chile Barrikaden. In Argentinien kehren alte Bekannte an die Macht zurück, in Bolivien die Bibel, weil eine Ikone flieht. In Kolumbien bleibt Frieden Fiktion. Und was geschieht in Venezuela?

In Südamerika brennen Regenwald und Barrikaden, es schreien die Demonstranten und die Ungerechtigkeit – wieder einmal könnte man fast sagen. Doch 2019 ist dennoch ein besonderes Jahr in der wechselvollen Geschichte des Kontinents. Es könnte als das Jahr der geplatzten Träume in die Geschichte eingehen.

In Chile scheint der Traum von Stabilität durch langsamen Aufschwung ausgeträumt, in Argentinien zerstoben die Hoffnungen vom Wiederaufstieg dank Zollabbau und anderer liberaler Reformen. Mittlerweile sind alte Bekannte an der Macht zurück, die nun wieder alles besser machen wollen.

In Venezuela blieb die dortige Vorstellung von Sozialismus endgültig im Sumpf der Realitäten stecken. Die halbe Welt hat sich vom Präsidenten Nicolás Maduro abgewandt, doch dank Russland und China kann er sich noch an das Amt klammern. Während das Volk mit nahezu wertlosem Geld den Lebensmittelrationen hinterherjagt.

Auch aus dem größten Land, Brasilien, kommen keine guten Nachrichten. Der brennende Regenwald machte Schlagzeilen, vor allem aber die Untätigkeit des neuen Präsidenten Jair Bolsonaro. Den Rechtsaußen-Politiker und Trump-Imitator wählten die Brasilianer, weil er Stabilität versprach. Vom Status eines Everybody’s Darling wie ihn sein Vor-Vor-Gänger Lula da Silva hatte, ist er fast so weit entfernt wie der Amazonas lang ist. Lula sitzt übrigens im Gefängnis. Wegen Korrpution. Die Haftstrafe wurde gerade auf 17 Jahre erhöht.

Auch in Kolumbien gab es große Hoffnungen. Nach Jahrzehnten des Bürgerkrieges einigten sich Regierung und Guerrilla auf Frieden. Doch längst ist Ernüchterung eingekehrt. Der Frieden bleibt eine Fiktion. In Bolivien gab es nach 13 Jahren Amtszeit des ersten indigenen Präsidenten des Kontinents ein böses Erwachen – das alte Gespenst des Putsches trieb Evo Morales aus dem Amt. Oder hielt er sich doch für so unverzichtbar, dass er selbst auf die Demokratie verzichten wollte? Die Diskussion ist im Gange.