Forscher identifizieren neue Schildkröten-Art

Südamerikanische Fransenschildkröten leben im Schlamm und tarnen sich als Stein: Im Erbgut der Tiere machten Forscher nun eine überraschende Entdeckung.

Bisher dachte man, es gibt nur eine Art Fransenschildkröte, auch bekannt als Mata-Mata. Doch nun berichtet ein Forschungsteam: Es sind in Wahrheit zwei Spezies. Die Wissenschaftler haben die neue Art nicht etwa im Matsch eines Gewässers in Südamerika aufgespürt, wo sich die Tiere am liebsten aufhalten und sich als ein mit Algen bedeckter Stein tarnen. Sie haben sie allein anhand ihres Erbguts identifiziert, heißt es in einer aktuellen Studie im Fachblatt „Molecular Phylogenetics and Evolution“.

Die Analyse bestätigte den Verdacht, dass es sich um zwei Arten handelt. Die Forscher tauften die neu entdeckte Spezies, die am Fluss Orinoco lebt, Chelus orinocensis. Der letzte gemeinsame Vorfahr der Tiere lebte wahrscheinlich vor etwa 13 Millionen Jahren. Zu der Zeit teilte sich das vorherige Amazonas-Orinoco-Becken in zwei separate Flusssysteme. Auch zahlreiche andere Spezies spalteten sich zu dieser Zeit in unterschiedliche Arten auf.

Die Entdeckung könnte Einfluss auf den Schutzstatus der Fransenschildkröten haben. Bisher galten sie als nicht gefährdet. Da es sich jedoch in Wahrheit um zwei Arten handelt, ist die jeweilige Population kleiner als angenommen. „Wir müssen diese faszinierenden Tiere beschützen, bevor es zu spät ist“, so die Forscher. Fransenschildkröten sind wegen ihres ungewöhnlichen Aussehens begehrt, jedes Jahr werden Tausende illegal gehandelte Exemplare konfisziert.

Müssen Fransenschildkröten jetzt geschützt werden?

„Auch wenn die Schildkröten wegen ihres Aussehens und ihrer ungewöhnlichen Essgewohnheiten weit bekannt sind, wusste man bisher überraschend wenig über ihr Genom“, sagt Hauptautor Uwe Fritz von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Wenn sich ein Beutetier nähert, öffnen Mata-Mata-Schildkröten ihr Maul, saugen die Beute ein und schlucken sie in einem Stück runter.

„Bis jetzt haben wir angenommen, dass es nur eine Art dieses gepanzerten Reptils gibt, das in ganz Südamerika verbreitet ist“, sagt Fritz. Allerdings sehen die Fransenschildkröten entlang des zweitlängsten Flusses Südamerikas, dem Orinoco, etwas anders aus als im Amazonasbecken. Die Forscher beschlossen deshalb, das Genom von 75 Tieren näher zu untersuchen.