Armut wird in Südamerika explodieren

Die Coronakrise wird für einen gewaltigen Anstieg der Armut in Lateinamerika sorgen.
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Lateinamerika braucht in der Corona-Krise „flexible Unterstützung“ und vielleicht sogar einen Schuldenerlass.

Die Coronakrise wird für einen gewaltigen Anstieg der Armut in Lateinamerika sorgen. Dies geht aus einem Bericht der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) hervor. Die Armutsrate wird demnach um 4,4 Prozentpunkte und die Zahl der Armen von 186 Millionen (2019) auf knapp 215 Millionen ansteigen, berichtete die Internet-Plattform „amerika21.de“.

Die extreme Armut wird demnach um 2,5 Prozentpunkte von elf auf 13,5 Prozent zunehmen. Das entspricht einen Anstieg um rund 16 Millionen Menschen. Im laufenden Jahr könnte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Lateinamerikas durch die von der Covid-19-Pandemie ausgelöste Krise um 5,3 Prozent zurückgehen. „Die Auswirkungen von Covid-19 werden die größte Rezession hervorrufen, die die Region seit 1914 und 1930 erlebt hat.

Es wird ein starker Anstieg der Arbeitslosigkeit erwartet, mit schwerwiegenden Folgen für Armut und Ungleichheit“, sagte Alicia Bárcena, Cepal-Exekutivsekretärin, bei der Vorstellung des Berichts „Die Bewertung der Auswirkungen von Covid-19 und Überlegungen zur Reaktivierung“.

Lateinamerika brauche daher eine „flexible Unterstützung“, günstige Kreditlinien und vielleicht sogar einen Schuldenerlass.

China fällt aus

Auf die südamerikanischen Länder werde sich der „Rückgang der Aktivitäten in China stark auswirken, das ein wichtiger Markt für ihre Exporte ist“. So gingen etwa in Brasilien, Peru und Uruguay bisher mehr als 20 Prozent der Ausfuhren an die Volksrepublik, in Chile mehr als 30.

Das am stärksten betroffene Land werde Venezuela mit einem Rückgang des BIP um 18 Prozent sein. Für Argentinien und Ecuador sieht die CEPAL eine Schrumpfung um 6,5 Prozent voraus, für Paraguay dagegen nur um 1,5 Prozent.

In Brasilien werden es geschätzt 5,2, in Mexiko 6,5 Prozent sein. Beide Länder sind stark von der Unterbrechung der Wertschöpfungsketten betroffen, da sich dort die größten Fertigungssektoren in der Region befinden. Was die zentralamerikanischen Länder angeht, weist der Bericht darauf hin, dass „der Rückgang des Tourismus und die Verringerung der Aktivitäten der USA, dem wichtigsten Handelspartner sowie der größten Quelle ausländischer Direktinvestitionen und Rücküberweisungen in diese Länder, sehr negative Auswirkungen haben werden“.

Kein Tourismus in der Karibik

Für die karibischen Volkswirtschaften werde sich vor allem der Rückgang in der Nachfrage nach Tourismusdienstleistungen bemerkbar machen. CEPAL schätzt, dass die Arbeitslosenquote in der Region bei etwa 11,5 Prozent liegen wird, was einem Anstieg von 3,4 Prozentpunkten gegenüber 2019 (8,1) entspräche. Die Zahl der Arbeitslosen in der Region werde 37,7 Millionen erreichen, das sind 11,6 Millionen mehr als 2019 (26,1 Millionen).

Dadurch werden die Länder der Karibik am stärksten betroffen sein, da mehr als 50 Prozent der Beschäftigten im Tourismussektor tätig sind. Mitte April hatte der Internationale Währungsfonds für Lateinamerika einen Rückgang des BIP um 5,2 vorausgesagt: Das entspricht laut „amerika21.de“ nahezu der CEPAL-Prognose.