Indigene in Südamerika fordern verstärkten Schutz

Eingeschleppte Krankheiten als Gefahr
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Angesichts der weltweiten Ausbreitung des neuartigen Coronavirus fordern die zurückgezogen lebenden Ureinwohnerinnen und Ureinwohner Südamerikas verstärkte Schutzmaßnahmen für ihre Gemeinschaften.

„Indigene, die freiwillig in Isolation leben, sind besonders anfällig für eine Infektionskrankheit, weil sie gegen die meisten Krankheiten keinerlei Immunität haben“, sagte Claudette Labonte vom Kongress der indigenen Organisationen des Amazonas-Becken (COICA) heute der Nachrichtenagentur AFP. Das Coronavirus sei für sie daher eine „existenzielle Bedrohung“.

Appell an Regierungen

Die betreffenden Regierungen müssten daher ihre Schutzmaßnahmen für die Lebensräume von indigenen Gemeinschaften verstärken, verlangte Labonte, die der Gemeinschaft der Kamuyeneh in Französisch-Guyana angehört.

In vielen Gebiete der Ureinwohner fallen immer wieder Holzfäller, Bergarbeiter, Drogenschmuggler und Touristen ein. Der COICA-Koordinator für Menschenrechte, Michael McGarrell, sagte der AFP, eine weitere Gefahr gehe von evangelikalen Christen aus, die derzeit versuchten, Amazonas-Stämme zu missionieren.

20 Ureinwohner-Organisationen aus sieben südamerikanischen Ländern riefen daher gemeinsam ihre Regierungen auf, sicherzustellen, dass ihre schützende „geografische Isolation“ respektiert werde.

Eingeschleppte Krankheiten als Gefahr

Ureinwohner werden immer wieder durch eingeschleppte Krankheiten bedroht. Allein durch die Bakterien und Viren, die die Europäer mit nach Südamerika brachten, ging die Zahl der Indigenen dort Schätzungen zufolge zwischen 1492 und 1650 um ein Viertel zurück.

Indigene gelten als Bewahrer der Artenvielfalt. Weil sie riesige Wälder und damit wichtige Speicher des Treibhausgases CO2 schützen, sieht der Weltklimarat IPCC in Ureinwohnern wichtige Akteure im Kampf gegen die Erderwärmung.