Uruguay, der Geheimtipp in Südamerika

In José Ignazio wartet Uruguay mit der exklusivsten Hoteladresse auf: dem Play Vik José Ignacio
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Bei vielen Südamerika-Reisenden spielt Uruguay kaum eine Rolle. Es ist höchste Zeit, dies zu ändern.

Eines muss man Fabian Souto lassen: An Nationalstolz mangelt es ihm nicht. «Bei uns mag zwar vieles ähnlich wie in Argentinien sein. Aber wir haben definitiv das bessere Fleisch, die bessere Dulce de leche und im Fussball sind wir auch noch erfolgreicher», sagt unser Reiseleiter. Nun, was das Fleisch und die Creme aus Milch, Zucker und Vanille betrifft, die in Lateinamerika weit verbreitet ist, ist dies Geschmacksache. Was den Fussball anbelangt, Ansichtssache. Beide Nationalteams wurden bislang zwei Mal Weltmeister, Uruguay weist einen Südamerikameister-Titel mehr auf (15) als Argentinien.

Uruguay zählt 3,5 Millionen Einwohner, weist eine Fläche von gut 176’000 Quadratkilometer auf, ist damit halb so gross wie Deutschland und nach Suriname der zweitkleinste Staat Südamerikas. Im Norden grenzt das Land an Brasilien, im Westen an Argentinien. Und vielleicht ist genau dies der Grund, weshalb Uruguay als Reiseland in unseren Breitengraden kaum eine Rolle spielt. Zu unrecht, finden sie in Uruguay.

Zu unrecht findet auch Gabriela Stauffer, General Managerin von Dorado Latin Tours, dem Südamerika-Spezialisten aus dem Hause DER Touristik Suisse. «Ich beurteile das Potenzial von Uruguay als hoch», betont sie. Das Land habe noch eher wenig Tourismus aus Europa und gehöre zu den stabilsten und demokratischsten Ländern Südamerikas. «Uruguay ist ein kontrastreiches, kleines und eher unbekanntes Land. In den verwinkelten Gassen der Altstadt von Colonia spürt man auf Schritt und Tritt die koloniale Vergangenheit. Das Gegenteil erwartet einem im mondänen Punta del Este mit seinen Badestränden. In den Sommermonaten begegnet sich hier, zwischen schicken Luxushotels und eleganten Villen, die südamerikanische High Society», sagt sie.

Montevideo, die einzige Grossstadt des Landes

Man kann aber auch einfach Fernando«Lobo» Nuñez besuchen und sich den Candombe erklären lassen. Der sagt nämlich auch viel über die Geschichte des Landes aus. Der Candombe ist ein folkloristischer Tanz der Afro-Lateinamerikaner, der ausschliesslich auf den Strassen zu sehen ist. An jedem Wochenende treffen sich die Trommler und Tänzer und üben für die beiden wichtigsten Tage im Jahr, die «Ilamadas». Jeweils am ersten Februar-Wochenende ziehen sie in bunten Umzügen mit ihren Trommeln durch die Stadt, tanzen und feiern ausgelassen.

Der 63-Jährige «Lobo» Nuñez kann trommeln wie kaum ein Zweiter. Zudem baut er die Dinger auch noch. Und ab und zu verkauft er sich auch. «Die Trommeln sind wie meine Kinder. Von denen trennt man sich nicht einfach so», sagt er.

Wir treffen «Lobo» Nuñez in seiner Werkstatt einem Hinterhof in Montevideo. Überall hängen Bilder, die ihn mit Prominenten und anderen Musikern zeigen. Auf einem Foto ist er zusammen mit Mick Jagger zu sehen. Vor drei Jahren hat ihn der Frontmann der Rolling Stones an seinem 60. Geburtstag besucht; einen Ausschnitt davon gibt es im Film «Olé, Olé, Olé» zu sehen, der während der Lateinamerika-Tour der Stones im Jahre 2016 entstanden ist. «Lobo» Nuñez schwärmt noch heute von dem Besuch. «Mick Jagger ist eine so respektvolle Person. Ich werde ihm nie vergessen, dass er während seines Aufenthalts in Uruguay ausgerechnet mir die Aufwartung gemacht hat», sagt er und seine Augen werden wässrig und seine Stimme brüchig.

Ein ganz anderes Uruguay treffen wir in Punta del Este an. Der Ort, der am uruguayischen Schnittpunkt von Atlantik und Rio de la Plata liegt, ist ein Mix zwischen Miami Beach und Sylt. Dass es dort schön und angenehm ist, wissen auch die Argentinier, Brasilianer und Chilenen. In den Sommermonaten strömen sie in Scharen hier an die Strände. Die Bevölkerungszahl springt während der Hochsaison von 20’000 Menschen auf 300’000 – Punta Del Este gilt als Südamerikas schickste Ferienadresse.

Der Promifaktor ist gross. Maradona besass hinter den Dünen ein Haus, bevor er es wegen seinen chronischen Geldproblemen verkaufen musste. Schauspieler Bruce Willis hat noch immer sein Feriendomizil genauso wie Real Madrid-Trainer Zinédine Zidane. Popstar Shakira schleppte früher jeweils ihre Liebhaber hierher. Dem kreativen Schaffen tat dies keinen Abbruch. Mindestens ein Album und ein Hit sollen hier entstanden sein.

Der Sandkapitalismus von José Ignacio

Architektonisch ist «Punta» kein Hit. Da kommt man eher im wenigen Kilometer entfernten José Ignazio auf die Rechnung. Zum Beispiel beim Play Vic José Ignacio, eine der exklusivsten Hoteladresse in Uruguay. Das Hauptgebäude erinnert an eine Seilbahnstation, darum herum stehen mehrere kleinere Häusern. Die Lage mit Sicht auf das Meer ist ein Traum, erst recht, wenn man sie im Infinite-Pool geniessen kann. In der Nacht wird auf dessen Boden das Sternbild wiedergegeben – die Technik macht’s möglich. All das hat seinen Preis. In der Hochsaison bezahlt man zwischen 4500 bis 6000 Dollar. Wohlverstanden pro Nacht.

Wem all dies zu pompös und vor allem zu teuer ist, der tut daran, sich aufs Land zu begeben. Zu geniessen gibt es eine endlose Weite, immer wieder fantastische Weinanbaugebiete wie zum Beispiel in Carmelo, die Gemütlichkeit der Einheimischen und viel Vieh. Nirgendwo sonst auf der Welt zählt man so viele Rinder neben so wenigen Menschen: Auf jeden der vier Millionen Einwohnerinnen und Einwohner kommen drei Rinder. Kein Wunder steht auf jeder Speisekarte Rind zu oberst.