Chaos an Argentiniens Finanzmärkten – Bevölkerung stellt auf Krisenmodus um

Chaos an Argentiniens Finanzmärkten

 
 
 

Die Regierung wurde bei den Vorwahlen abgestraft, Börse, Währung und Anleihen waren zeitweise im freien Fall. Die Argentinier rechnen mit verschärfter Rezession und wachsender Inflation.

Salvador Am schnellsten reagierte General Motors in Argentinien auf die historische Abwertung des Peso gegenüber dem US-Dollar. Nur einen Tag nachdem sich der Dollar um 23 Prozent gegenüber dem Peso aufgewertet hatte, erhöhte der US-Hersteller die Preise seiner Modelle um genau diese 23 Prozent. Die anderen Autobauer in Argentinien würden noch überlegen, wie stark sie die Preise anheben werden, erklärten diese.

Auch in den Supermärkten des Landes war am Montag nach den Vorwahlen in Argentinien deutlich mehr los als sonst. Familien deckten sich mit Lebensmitteln ein, bevor der Einzelhandel die Preise erhöhen konnte. Die Konsumenten fürchten zudem, dass Waren, deren Preise von der Regierung kontrolliert werden, aus den Regalen verschwinden könnten.

Die umgehende Reaktion der Unternehmen und Argentinier auf die veränderten politischen Verhältnisse nach den Vorwahlen zeigt: Niemand rechnet damit, dass Argentiniens Wirtschaft in den nächsten zweieinhalb Monaten bis zum ersten Termin für die Präsidentschaftswahlen zur Ruhe kommen wird. Der Grund: Investoren fürchten, dass ab Dezember erneut eine linkspopulistische Regierung die zweitgrößte Volkswirtschaft Südamerikas führen könnte.

Bei den Vorwahlen am Sonntag hatte die wirtschaftsfreundliche Regierung von Präsident Mauricio Macri unerwartet katastrophal abgeschnitten. Ein Wahlsieg der peronistischen Opposition scheint nun ziemlich wahrscheinlich. Deren Kandidaten sind der peronistische Technokrat Alberto Fernández und seine Stellvertreterin, die zweifache Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner, mit der er nicht verwandt ist.

Am zweiten Tag nach der Niederlage Macris betrieb die Zentralbank vor allem Schadensbegrenzung und konnte den freien Fall des Peso und der Anleihekurse bremsen. Dafür musste sie aber erneut über 200 Millionen Dollar verkaufen, um den Peso zu stützen, der zum Montag nur noch leicht verlor. Die Anleihen verloren erneut rund acht Prozent.

Die Börse dagegen erholte sich um 5,8 Prozent, nachdem der Aktienindex Merval mit 38 Prozent Verlust am Montag den stärksten Absturz einer Börse seit einem halben Jahrhundert hingelegt hatte. Dennoch stieg das Länderrisiko, ausgedrückt in den Zinsaufschlägen, welche die Investoren im Durchschnitt für argentinische Anleihen verlangen, auf 1800 Punkte. Die Ratingagentur Moody´s verkündete nun, das Länderrating überprüfen zu wollen. Seit Mitte des letzten Jahres steht es auf B2, mit negativer Tendenz.

Macri setzt offenbar weiter auf eine Erholung der Wirtschaft

Der angeschlagene Präsident Macri versucht indessen etwas hilflos, Zuversicht zu verbreiten. Es sei immer noch möglich, den Vorsprung der Opposition aufzuholen. Mit Blick auf das Chaos an den Finanzmärkten am Montag nach den Vorwahlen erklärte er, dass die Argentinier nun einen Vorgeschmack davon bekämen, was auf sie zukomme, wenn die Peronisten ab Dezember das Land regieren würden.

Das klang auch für viele Mitglieder seiner geschrumpften Anhängerschaft arrogant. Denn Macri kann es drehen wie er will – die Opposition kann zu Recht behaupten, dass Argentinien bei ihrem Abtritt besser dastand als nach den dreieinhalb Jahren unter dem Wirtschaftsliberalen Macri: Der Peso war schon vor der Megaabwertung dieses Jahr die schwächste Währung der Welt. Nur in Venezuela ist die Inflation noch höher.

Mit jetzt 76 Prozent ist der Leitzins ebenfalls auf weltweitem Rekordniveau. Und letztendlich ist die Wirtschaft unter Macri unter dem Strich geschrumpft und nicht gewachsen. Dass Macri beherzte Reformen umgesetzt hat, die Wirtschaft geöffnet, die Schuldenverhandlungen beendet und Argentinien wieder in die Weltwirtschaft integriert hat – das interessiert die wieder verarmten Argentinier und die Mittelschicht kaum. Unter dem Strich geht es ihr schlechter als Ende 2015.

Alberto Fernandez dagegen hält deswegen die Reaktion der Finanzmärkte als „die Strafe dafür, dass Macri in den letzten Jahren zu schnell zu viele Schulden gemacht habe“. Nun s