Venezuela akzeptiert UNO-Hilfe


 
 
 

Nun doch: Die venezolanische Regierung gibt zu, dass ihre Bevölkerung leidet. Dabei geht es vor allem um Hilfsgelder.

Worum geht es? Venezuelas Regierung hat nach langer Verweigerung der UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte eine Einreiseerlaubnis erteilt. Zudem anerkennt die Regierung den humanitären Notstand im Land. «Aus der UNO-Praxis kann man ableiten, dass es ein indirektes Eingeständnis der Regierung gibt», sagt SRF-Lateinamerika-Korrespondent Ulrich Achermann. Die UNO spreche nämlich nur dann Hilfsgelder, wenn das betroffene Land zustimmt. Dies könne implizit oder formell geschehen.

Was ist der Hintergrund? Seit mindestens fünf Jahren leidet das ehemals durch Erdölverkäufe reiche Land unter einer wirtschaftlichen Krise. Massen von Menschen verlassen das Land. Es fehlt an Lebensmitteln und Medikamenten.

Wieso hat die venezolanische Regierung ihre Meinung geändert? «Das hat mit der Innenpolitik zu tun», sagt Achermann. Im Mai 2018 hat sich Präsident Nicolas Maduro bei sehr umstrittenen und international nicht anerkannten Wahlen wiederwählen lassen. Im Dezember wird nun die Vereidigung stattfinden. «Die Umstände der Wahl, die von der Opposition boykottiert wurde, kämen bei der erneuten Amtseinführung wieder hoch. Maduro will präventiv Druck wegnehmen», sagt Achermann.

Wie hilft die UNO? Die Vereinigten Nationen haben nun 9,2 Millionen Dollar für Lebensmittel und Medizin und andere Hilfsgüter, die dringend gebraucht werden, freigegeben.

Was sind die Ziele der Hilfe? Für ihren Einsatz in Venezuela hat die UNO ein Szenario mit drei Punkten entworfen. Sie unterstützt die Grenzregion zu Kolumbien und vielleicht auch zu Brasilien. «Dort sammeln sich die Flüchtlinge», so Achermann. Zweitens will sich die UNO der Frauen und Kleinkinder annehmen. Sie haben zu wenig Nahrung. Drittens will die UNO das öffentliche Gesundheitssystem verbessern. «Das öffentliche Gesundheitssystem ist mehr oder weniger zusammengeklappt. Die UNO will mit Impfstoffen, Antibiotika und weiteren Medikamenten helfen.»

Was bringt das der Bevölkerung? «Der Betrag von umgerechnet rund zehn Millionen Franken ist eher ein Tropfen auf den heissen Stein», sagt Korrespondent Achermann. Aber es sei ein Anfang. Man könne damit genau dort ansetzen, wo es am dringendsten sei, im Gesundheitswesen. «Die Kindersterblichkeit ist in den letzten Jahren aufgrund von Unterernährung dramatisch angestiegen, und das Personal im Gesundheitswesen arbeitet fast umsonst. Es ist vorgesehen, dass man auch die Ärzte und das Pflegepersonal finanziell unterstützt.»